Paul Klinger

Paul Klinger, eigentlich Paul Karl Heinrich Klinksik, wurde am 14. Juni 1907 in Essen als Sohn eines Bauingenieurs geboren. Er besuchte das Helmholtz-Realgymnasium bis zum Abitur. Zusammen mit seinem Schulgefährten Helmut Käutner spielte er bereits in Schulaufführungen. Aber sein Vater war gegen einen künstlerischen Beruf und schickte ihn zum Studium an die Technische Hochschule München. Dort traf er Käutner wieder, der ihn überredete, Theaterwissenschaften zu studieren. Nebenher stand er mit Käutner als Statist auf der Bühne des Otto-Falckenberg-Schauspielhauses.

Nach dem Tode seines Vaters, als die finanziellen Mittel zum Weiterstudieren plötzlich fehlten, wandte er sich ganz dem Schauspielerberuf zu. Vorsprachen bei verschiedenen Theatern und erstes Engagement als „schwerer Held“ an der 1921 gegründeten Bayerischen Landesbühne. Seine Lehr- und Wanderjahre begannen 1929 mit Engagements in Koblenz, danach u.a. in Oldenburg, Breslau, Düsseldorf. Am Deutschen Theater in Berlin arbeitend, verkörperte er an der Seite von Käthe Dorsch und Paula Wessely jugendliche Heldenrollen.

Zum Film kam er mit Du sollst nicht begehren (1933), der ihm einen Vertrag mit den damals großen Filmgesellschaften einbrachte. 1936 Filmerfolg mit Männer vor der Ehe und Heirat mit der Kollegin Hilde Wolf. Aus der Ehe, die nach Kriegsende geschieden wurde, stammt die Tochter Kathrin. In den dreißiger und vierziger Jahren hatte er ununterbrochen Filmauftritte. Er wirkte von 1933 bis 1970 in rund 70 Filmen mit. Von den vielen Filmen, die Paul Klinger gedreht hat, wurden am bekanntesten: Fridericus (1936), Kriminalkommissar Eyck (1940), Die goldene Stadt (1942), Zirkus Renz (1943), Ehe im Schatten (1947), Am Brunnen vor dem Tore (1952), Wenn der weiße Flieder wieder blüht (1953), Rosen-Resli (1954), Suchkind 312 (1955). Am beliebtesten und bekanntesten hat ihn seine Rolle des Jochen von Roth in der dreiteiligen Immenhof-Serie (1955-57) gemacht. Nach dem Krieg war er auch im DDR-Film aktiv.

1950 lernt er bei den Dreharbeiten zu einem Krimi die 20 Jahre jüngere Karin Andersen kennen, die dort als Standfotografin arbeitete. Heirat 1954, zwei Kinder: Christine (geb. 1953) und Michael (geb. 1958). 1959 Umzug von Berlin in ein Haus am Starnberger See. Um mehr mit seiner Familie zusammen zu sein, sagte er Theatertourneen ab und arbeitete lieber im nahen München im Synchronstudio. In den 50er und 60er Jahren gehörte er zu den meistbeschäftigten Synchronsprechern Deutschlands. Er lieh u.a. Cary Grant, William Holden, Bing Crosby, Jean Gabin, Steward Granger, Henry Fonda, Jean Marais und Charlton Heston seine Stimme.

Auch das Fernsehen bot dem sympathischen Schauspieler schließlich neue Aufgaben. Ab den frühen sechziger Jahren beginnt er eine Fernsehkarriere, u.a. in der Krimiserie Kommissar Brahm.

Paul Klinger erkrankte an einem schweren Herzleiden, dass er vor seiner Familie und seinen Freunden geheim hielt. Am 14. November 1971 wollte er auf einer Gewerkschafterversammlung vor Schauspielerkollegen sprechen, in der es um die Verbesserung der Gagen ging. Mitten im Gespräch erlitt er einen tödlichen Herzinfarkt.

Wiedergabe des Textes mit Genehmigung von Joachim Hinz.

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