Jahreshauptversammlung und Sommerfest am 16. Juni 2018

Status

Jahreshauptversammlung und Sommerfest am 16. Juni 2018
So war´s
In aller Kürze für jene, die am 16. Juni nicht bei uns sein konnten:

In einer konstruktiven Mitgliederversammlung wurde über die Arbeit des Vereins im vergangenen Geschäftsjahr sowie zukünftige Projekte berichtet. So planen wir im Dezember diesen Jahres ein Benefizkonzert gemeinsam mit der uns verbundenen interkulturellen Stiftung Kolibri. Jenny Evans wird ihr sehr persönliches Programm “naked” präsentieren, die Überschüsse des Abends gehen zu Gunsten der beiden Veranstalter. Außerdem richtet der Vorstand den Aufruf in die Runde der anwesenden Mitglieder, sich Gedanken über die im kommenden Jahr anstehende Vorstandswahl zu machen. Für eine konstruktive Arbeit des Gremiums wäre es schön, Mitglieder verschiedener Generationen und aus allen Kunstbereichen gewinnen zu können. Sollte jemand Interesse haben, für das Amt eines Vorstandsmitgliedes zu kandidieren, oder einen Künstlerkollegen vorschlagen mögen, freuen wir uns in der Geschäftsstelle über einen Anruf!

Nach dem offiziellen Teil freuten sich alle auf einen geselligen Nachmittag bei traumhaftem Wetter. Es gab wie immer gegrillte Würstel, lecker Kuchen und natürlich auch das eine oder andere Gläschen, das man bei netten Gesprächen unter Kollegen genießen konnte. KSW-Mitglied Claudia Semmler massierte im wunderschönen Garten Gäste gegen eine Spende für den Verein – am entspannten Gesichtsausdruck konnte man erkennen, wer das Glück hatte, einen der begehrten Termine zu ergattern.   

Nach einer längeren Pause haben wir in diesem Jahr wieder neuen Mitgliedern die Gelegenheit gegeben, sich und ihre Arbeit den Gästen des Festes zu präsentieren. Außerdem stellte Franziska Ruprecht die Arbeit im Moderatorenteam bei Radio Lora vor, Nikolaus von Uthmann präsentierte eine spannende Idee, den Verein einem breiteren und jüngeren Publikum bekannt zu machen (näheres hierzu folgt bald!)

Musikalischer Highlight war ein Auftritt von Jenny Evans, die uns mit einer Auswahl an neuen Songs auf ihr Konzert im Dezember neugierig gemacht hat!

Vielen Dank Euch allen, es war wieder ein wunderbares Fest.

 

Lesung gegen das Vergessen

Lesung gegen das Vergessen, zur Erinnerung und Mahnung.
Hintergrund: In vielen deutschen Universitätsstädten wurde am 10. Mai 1933, „undeutsches Schrifttum“ verbrannt. Diese Kampagne „Wider den undeutschen Geist“ war vom „Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft“ vorbereitet worden. Unter Beteiligung von Rektoren und Professoren verbrannten auf riesigen Scheiterhaufen die Bücher von Thomas Mann, Heinrich Heine, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Bertolt Brecht, Erich Kästner, Kurz Tucholsky, Carl von Ossietzky, Karl Marx, Sigmund Freud und vielen anderen mehr.


Interview mit Gerd Schmitt-Thiel anlässlich der Bücherlesung zur Erinnerung an den 10. Mai 1933, der Bücherverbrennung in München vor 85 Jahren!

1. Welchen Sinn macht es, nach 85 Jahren durch eine öffentliche Lesung an die Bücherverbrennung von 1933 zu erinnern?
Bücher zu verbrennen gehört wohl zu den schändlichsten und schädlichsten Aktionen totalitärer Regime, die es seinen Künstlern antuen kann. Schon Heine hat gesagt: „da, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ und die Geschichte des Nationalsozialismus zeigt, wie recht er hatte. In vielen Ländern Europas ist in der letzten Zeit ein starker Rechtsruck in den politischen Parteien zu beobachten und erinnern wir uns an die Warnung von Erich Kästner, dessen Bücher 1933 auch verbrannt wurden: Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten – Die Lawine hält keiner mehr auf…

2. Was ist das besonders Verwerfliche daran, Bücher zu verbrennen?
Wer Bücher verbrennt, zerstört nicht nur Freiheit und Meinung der Künstler, er trifft die gesamte Existenz des Menschen, macht ihn mundtot, vernichtet ihn!

3. Welche gesellschaftlichen Kreise waren 1933 die Initiatoren der Bücherverbrennung und war das, so kurz nach der Machtergreifung durch die Nazis, eine spontane Aktion?
Es waren in erster Linie Akademiker, Professoren und Studenten und die Aktion war von langer Hand vorbereitet, sonst hätte sie so kurz nach der Machtübernahme durch die Nazis nicht so perfekt über die Bühne gehen können.

4. Welchen Anteil hatte die Presse an gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen? Wegbereiter oder kritische Distanz, gibt es Parallelen zu heute?PEGIDA und AFD wurden anfangs als nicht ernst zu nehmende, verachtenswerte, zu bemitleidende Dumpfbacken in unseren Mainstreammedien dargestellt. Nun im Parlament überrascht die AFD mehrheitlich als Akademiker im Nadelstreifen. Deshalb ist es uns immer wieder wichtig, mit den Lesungen darauf hinzuweisen, dass es auch damals Teile der Eliten waren, die die ersten symbolhaften, intellektuellen Verfolgungen/Verbrennungen initiiert haben – und nicht die Straße, nicht der Mob.

5. Bücherlesungen zum 10. Mai hat ja auch schon Wolfram Kastner initiiert und umgesetzt. Warum auch eine Lesung am Odeonsplatz?
Kastners Aktion „Brandfleck – München liest aus verbrannten Bücher” ist ein Kunstwerk – Bestandteil seiner Kunstaktionen, die er oft auch zusammen mit anderen politischen Aktionskünstler vor allem hier in München macht. Die Lesungen, die ich seit vielen Jahren organisiert habe, ob nun im privaten Rahmen, in der Staatsbibliothek, in Bürgerhäusern, oder seit über 10 Jahren am Odeonsplatz, betrachte ich nicht als Kunst oder Kunstwerk, sondern als Erinnerungsarbeit, die an möglichst vielen Orten organisiert werden sollte. Wie dies auch durch die Themen vom Verein „Gegen das Vergessens – für mehr Demokratie e.V.“ angeregt wurde. Siehe unsere Seite www.buecherlesung.de. Im Übrigen, ich habe auch mehrmals am Königsplatz mitgelesen.

6. Was waren besondere Momente im Rahmen der Lesungen?
Es gab viele besondere Momente. Besonders war ein Auftritt von Dieter Hildebrandt, der mit seiner bekannt-markanten Stimme extrem laut mit provokanten Aufrufen weit über den Odeonsplatz so zu hören war, dass viele unbeteiligte Menschen verdattert stehen blieben. Sehr bewegend sind für mich auch immer wieder die Beiträge von Studierenden, aber auch ganz besonders die Beiträge von sehr jungen Schülerinnen und Schülern aus der Mittelschule an der Situlistraße, die sich ernsthaft und voller Empathie oft zum ersten Mal mit dem Thema auseinandersetzen – Erinnerungskultur pur halt…

7. Was bewegte GST zu seinen Lesungen?
Es gibt ein Gedicht von Eckart Hachfeld „Zwei Seelen”. Ich habe ihn noch persönlich kennengelernt. Er war ein wunderbarer Autor für die Nachkriegskabarettisten wie z.B. das Düsseldorfer Kom(m)ödchen. Dieses Gedicht ist zwar nach der NS-Zeit entstanden, ich lese es aber auch immer wieder selbst am 10. Mai „Gegen das Vergessen”, weil es die deutsche Situation so absolut treffend beschreibt.

8. Mohr-Villa Freimann e.V. Stadtteilkulturzentrum?
Die Mohr-Villa zeichnet sich durch ein interkulturelles Programm aus und leistet sowohl durch die Stadtteilarchivarbeit wie durch das vielfältige Ehrenamt auch eine lebendige Erinnerungsarbeit.

9. Warum beteiligt sich das Paul-Klinger-Künstlersozialwerk e.V. an der Bücherlesungsaktion?
Der Klingerverein ist eine Interessensvertretung von und für Kulturschaffenden aus allen Bereichen. Mit der Bücherverbrennungsaktion und der anschließenden Verfolgung wurden nicht nur Kunstwerke entfernt, zerstört, aus dem öffentlichen Bewusstsein entfernt, es wurde damit auch den Schriftsteller- und Dichterinnen ihre persönliche Existenzgrundlage zerstört. Unser besonderes Anliegen ist es auch auf diese Zusammenhänge hinzuweisen – es wurden Werke und Lebensexistenzen zerstört.

10. Wer war Paul Klinger?
Paul Klinger, Namensgeber des Künstlersozialwerkes war ein deutscher Schauspieler, der besonders durch seine Synchronarbeit bekannt war, da er zahlreichen Filmgrößen aus USA und Frankreich seine Stimme lieh. Er war ein engagierter Gewerkschaftler, der 1971 bei einer Rede vor Schauspielern an einem Herzinfarkt verstarb.

Initiator und Verantwortlicher Organisator ist Gerhard Schmitt-Thiel, in Zusammenarbeit und mit Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München. Ihm zur Seite stehen das Paul Klinger Künstlersozialwerk e.V. und der Verein Mohr-Villa Freimann e.V. sowie Global Understanding e.V.